Im Rahmen der Ausstellungsreihe Familiengeschichte(n) des Kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerk Niederrhein begibt sich der Heimatverein Dingden auf die Spuren jüdischen Familienlebens in Hamminkeln-Dingden. Das aus dem Jahr 1840 stammende Humberghaus bildet dabei das Zentrum der thematischen Auseinandersetzung und beherbergt nun als Museum die am 8. Juni eröffnete Dauerausstellung, die mit zahlreichen Fotos, Dokumenten und Objekten das Leben jüdischer Familien in Dingden bis ins Jahr 1808 zurückverfolgt und anschaulich macht.
„Das Bestreben des Heimatvereins Dingden ist es“, so der Vorsitzende Heinrich Hoffmann, „ mit dem Haus an die jüdische Vergangenheit zu erinnern. Mit der intensiv recherchierten Familiengeschichte und der hohen Authentizität des Gebäudes wird das Humberghaus nun als Geschichtsort dienen. Den Besuchern soll das Leben und Schicksal der ehemals drei im Ort beheimateten jüdischen Familien gezeigt werden: ihre Arbeitswelt, ihre Stellung im Dorf, ihr religiöses Leben, ihre Ausgrenzung und ihr Schicksal während der NS-Zeit, aber auch die Emigration und das Leben der Nachfahren in Kanada heute.“
Nach dem Tod von Phillip Plaat, der das von seinem Bruder David 1840 wiedererbaute jüdische Wohnhaus übernahm, bewohnte ab dem Jahr 1882 der Metzger, Vieh- und Textilhändler Abraham Humberg mit seiner Frau Rosalie Landau und neun Kindern das Haus. Zwei der Kinder sterben im Kleinkindalter, vier werden Opfer des Holocaust und drei der Humbergkinder können rechtzeitig emigrieren. Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 endet das jüdische Leben in Dingden.
In der Nachkriegszeit wird das Haus von Wilhelm Klein-Bölting, einem Freund der Humbergs, erworben und 2001 an den Heimatverein Dingden vermietet, der es sieben Jahre später erwirbt. Das eingeschossige, aus Feldbrandsteinen errichtete Wohnhaus mit Krüppelwalmdach entspricht noch im Wesentlichen dem Zustand von 1840. In den vergangenen Jahren wurde das Humberghaus behutsam saniert und die dabei entdeckten zahlreichen Zeugnisse jüdischen Lebens, wie z.B. die Freilegung einer Mikwe, eines rituellen Tauchbades, legten es nahe, das Haus als Gedenkstätte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die Nachkommen der Humbergfamilie begleiten das Projekt. Susan Muscovitch, eine Enkelin von Ernst Humberg, die in Kanada lebt, besuchte zu diesem Zweck 2009 Dingden. Darüber hinaus wurde die Arbeit des Heimatvereins in der Vergangenheit auch von der Dingdener Bevölkerung auf vielfältige Weise unterstützt.
www.humberghaus.de