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Der Blaue Montag

Schüsterkes Traumwasser / © Theo Knips

Armut, Alkohol und harte Arbeit – all das prägte den Alltag der Klever Schuster. Unabhängig davon, ob der „Schluffenschuster“ mit seiner Familie und seinen Gesellen das Handwerk in seiner Wohnung betrieb oder später als Fabrikarbeiter, billiger Alkohol (besonders Bier und Korn) war in den Jahren vor 1900 ein ständiger Begleiter.

Das alltägliche Leben war, Berichten aus der Zeit zufolge, so ärmlich, dass die Schuster keine Steuern zahlen mussten, weil sie kein entsprechendes Einkommen vorweisen konnten. Damit waren sie auch bestimmten bürgerlichen Rechten ausgeschlossen. Um 1848 wird beschrieben, dass dies ein Problem besonders der Handwerker war, da es in Kleve keine Industriearbeiter gab, sondern nur ein Proletariat von Arbeitslosen, die nicht wählen durften.

Die „Schüsterkes“ in Kleve haben den Montag häufig genutzt, um sich zu betrinken und den Rausch besonders im Tiergarten auszuleben – und das zum Entsetzen der dort spazierenden sogenannten Bürgerschaft und der Badegäste, die hierfür wenig Verständnis zeigten.

Der „Blaue Montag“ Nichts Genaues weiß man nicht. Doch eines ist gewiss: „Blau machen“ und „Blau sein“, beides hat eng miteinander und viel mit Alkohol zu tun und beides geschieht häufig an einem „Blauen Montag“, was gemeinhin ein Tag ist, an dem nicht gearbeitet wird. Die Wortverbindung taucht erstmals 1571 in zeitgenössischen Dokumenten auf. Vielfach wird sie auf die am Rosenmontag beginnende Verhängung der Altäre mit blauen Tüchern zurückgeführt.

Doch wahrscheinlicher ist, dass die Blaufärber für diese Sitte verantwortlich sind. Blau war einfach zu färben, der wichtigste Grundstoff war das aus Indien stammende Indigo oder die auch „Deutscher Indigo“ genannte Pflanze Färberwald.

Die Blaufärberei erforderte schönes Wetter. An Gerätschaften war lediglich ein Bottich nötig, der in der Sonne stehen musste. Die Pflanzenblätter wurden mit Flüssigkeit bedeckt. Dazu eignete sich aus chemischer Sicht am besten menschlicher Urin, der in der Sonne schnell zu gären beginnt. Dabei entsteht Alkohol, der den Farbstoff Indigo aus den Blättern löst. Der chemische Ablauf war im Mittelalter nicht bekannt, aber man wusste, dass die Gärung verstärkt wird und man mehr Farbstoff gewinnt, wenn man Alkohol zugibt. Allerdings kippte man den Alkohol nicht direkt in die Brühe, dazu war er zu schade. Der Alkohol wurde über einen Umweg zugeführt: In den alten Rezepten ist vermerkt, dass die Farbe besonders intensiv wird, wenn ihr zuvor der Urin von Männern zugeführt wird, die viel Alkohol getrunken haben.

Aber noch sind die Stoffe nicht blau, sie haben nur die unappetitliche Farbe der Brühe. Die blaue Farbe entsteht erst, während die Stoffe im Sonnenlicht trocknen. Die Färber hatten nichts anderes zu tun, als morgens und abends die Brühe vorsichtig umzurühren, den von der Sonne verdunsteten Urin aufzufüllen - und vor allem weiterhin für den Alkoholzusatz zu sorgen. Abgesehen von dem Gestank war das Blaufärben eine angenehme Tätigkeit. Die Färber arbeiteten im Freien, bei schönem Wetter, und es gab reichlich zu trinken. Immer wenn die Färbergesellen am Montag betrunken in der Sonne lagen, um auf das Ergebnis zu warten, wusste jeder, dass blau gefärbt wurde, die Färber waren "blau" und "machten blau". Auch der Begriff "Blauer Montag" findet hier seinen Ursprung.

„Schüsterkes Traumwasser“ Billigen Schnaps sollte heute niemand mehr trinken. Deswegen bietet das Klever Schuhmuseum einen hochwertigen Trester an, von dem die Schüsterkes nur träumen konnten. „Schüsterkes Traumwasser“ gibt es in einer edlen Verpackung, in einer dreieckigen Flasche mit einem von einem Klever Designer entwickelten Etikett und einem Holzverschluss. Damit kann aus einem Museumsbesuch auch ein hochprozentig edler Kunstgenuss werden.

Klever SchuhMuseum

Siegertstr. 3
47533 Kleve

+49(0)1577 39 90 724
+49(0)911/ 30844-03444
info@klever-schuhmuseum.de

Öffnungszeiten:
samstags und sonntags 14:00 bis 17:00 Uhr

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