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Von der Pogromnacht verschont - Dorfsynagoge Issum

Ihre versteckte Lage bewahrte die Synagoge vor der Zerstörung. / (c) Bernhard Keuck

Die Issumer Synagoge zählt zu den wenigen jüdischen Gemeindezentren am Niederrhein, das die nationalsozialistische Zeit überstanden hat. Es ist die einzig erhalten gebliebene Dorfsynagoge am Niederrhein.

Fast ein halbes Jahrhundert war sie der Öffentlichkeit verborgen geblieben. 1983 machte der Sevelener Heimatverein auf dieses Kleinod, das versteckt in einem Hinterhof der Kapellener Straße lag, die Öffentlichkeit aufmerksam. Die Studentin Ruth Benger aus Weeze trug für ihre Examensarbeit die Fakten zur Geschichte dieses ehemaligen jüdischen Gemeindezentrums, bestehend aus Synagoge, Schulhaus und Mikwee, sowie des jüdischen Friedhofs und der jüdischen Familien Issums zusammen. Ihre Arbeit war Voraussetzung, um in Zusammenarbeit mit dem Landeskonservator das gesamte Ensemble unter Schutz zu stellen, ein Vorhaben, das gegen erheblichen Widerstand im politischen Raum durchgesetzt werden musste. 1985 erwarb die Kommune Issum das Objekt und führte nicht nur die Unterschutzstellung durch, sondern entschied sich dazu, den Gebäudekomplex in eine Gedenkstätte für das niederrheinische Landjudentum umzuwandeln.

Ein architektonisches Gegenstück zur schlichten Issumer Dorfsynagoge befand sich im Nachbarort Geldern. 1875 hatte hier die aufstrebende jüdische Gemeinde ein repräsentatives Gotteshaus errichtet, das mit seinen vier minarettartigen Türmchen einen Hauch orientalischen Zaubers ausstrahlte. Es wurde wie so viele in der Progromnacht 1938 vernichtet. Seit dem 5.Dezember 2012 erinnern Stolpersteine nicht nur an die jüdischen Familien Gelderns, sondern auch einer an die untergegangene Synagoge.

Dem Kölner Künstler Gunter Demnig ist dafür zu danken, dass er mit seinen „Bodendenkmälern“ eine zeitgemäße Form des Erinnerns geschaffen hat. Stolpersteine sind inzwischen 44 000 Mal in Europa verlegt worden. Am Niederrhein ist die Dichte erfreulich hoch, so gibt es sie in Kerken, Geldern, Issum, Weeze, Straelen, Goch, Uedem, Emmerich und Xanten. Kleve und Sonsbeck haben eigene Gedenkplatten aufgestellt, um die Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürger wach zu halten.

Bernhard Keuck

Ehemalige Synagoge Issum

Kapellener Straße 30 a
47661 Issum

Öffnungszeiten:
Jeden 1. So im Monat von 14 – 17 Uhr, außer Januar sowie Termine nach Vereinbarung.

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