Das Kulturgeschichtliche Museumsnetzwerk Rhein-Maas

(c) Martina Hirop

Unter Federführung des Kulturraum Niederrhein e.V. trafen sich im Sommer 2010 erstmals Vertreter von sechs kulturhistorischen Museen, um die Möglichkeit eines gemeinsamen Ausstellungsprojektes zu besprechen. Aus dieser Idee einer einmaligen Kooperation entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit die Vision, ein längerfristiges gesamtregionales und grenzübergreifendes Netzwerk aufzubauen.

An der Initiative beteiligen sich Stadtmuseen, z.B. das Museum Burg Linn in Krefeld oder das Grafschafter Museum in Moers, ebenso wie Heimatmuseen traditioneller Ausprägung, die, wie der Kulturbahnhof Korschenbroich, von einem Verein getragen werden. Es gibt Museen mit langer Geschichte – so feierte das Clemens-Sels-Museum Neuss im Jahr 2012 seinen 100. Geburtstag –, aber auch Häuser, die gerade erst neu eröffnet wurden, etwa das Museum Humberghaus in Hamminkeln. Spezialmuseen wie das Rheinische Schützenmuseum oder das Klever Schuh-Museum nahmen ebenso teil wie Freilichtmuseen, zu denen der Tuppenhof in Kaarst oder das Niederrheinische Freilichtmuseum in Grefrath gehören. Und auch der Sprung über die Grenze ist gelungen.

Die Realisierung der ersten drei Themenjahre „Familiengeschichte/n“ (2012), "Altbier" (2013) und "himmelwärts" (2014) hat gezeigt, dass die Existenz des kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerks Niederrhein zu weit mehr als einer Reihe interessanter Ausstellungen geführt hat. Vielmehr lassen sich zahlreiche Effekte dieser neuen Offensive auf unterschiedlichen Ebenen feststellen:

● Mehrwert für die Netzwerkpartner: Die Integration in das Netzwerk führte bei den teilnehmenden Häusern zu einer Erhöhung der medialen Aufmerksamkeit und damit der Besucherzahlen. Es kam zum Aufbau von Kontakten zu anderen Museen und Institutionen. Der Austausch mit hauptamtlichen Kuratoren und die zusätzliche Beratung durch vom Netzwerk bereit gestellte Kulturhistoriker und Museumspädagogen brachte für die Mitarbeiter in den ehrenamtlich geführten Häuser auch eine indirekte Qualifizierung mit sich. Das vorgegebene Oberthema und der intensive Austausch bei den regelmäßig stattfindenden Treffen der Netzwerk-Partner fungierten als Impulsgeber für neue Ausstellungsideen und innovative Aktionen. Durch die gemeinsamen Werbeaktionen konnten die Mittel für die Ausstellungsprojekte effektiver eingesetzt werden. Die Teilnahme an einem überregional wahrgenommenen Netzwerk führte an vielen Standorten gerade bei kleinen Museen zu einer Stärkung des Ansehens in der Öffentlichkeit und erhöhte den Bekanntheitsgrad.

● Mehrwert für die Gemeinden: Die einzelnen Netzwerkpartner fungierten als Koordinierungsstelle vor Ort. So wurden zahlreiche weitere lokale Partner wie Schulen, Archive, Volkshochschulen und Vereine indirekt in das Netzwerk integriert. Das erste Themenjahr hat gezeigt, dass gerade in kleineren Gemeinden, in denen kaum noch Mittel für eine breite Kulturarbeit vor Ort zur Verfügung stehen, die öffentlich geförderten oder ehrenamtlich geführten Museen Impulse für breit angelegte und niedrigschwellige Kulturangebote geben und als Koordinierungsstellen für lokale Projektbündnisse mit Partnern aus ganz unterschiedlichen Bereichen agieren können.

● Mehrwert für die Region: Die Aufarbeitung der lokalen und regionalen Geschichte in den Museen führt zu einer Stärkung der regionalen Identität der Bewohner und zu einer Rückbindung an lokale Räume. Die Konzentration verschiedener Ausstellungen auf ein Thema bündelt die vorhandenen Ressourcen und verstärkt diesen Effekt. Die Netzwerkarbeit kann als „dezentrales Großereignis“ verstanden werden; sie stärkt das kulturelle Profil der Region und kann somit Impulse für den Binnentourismus in NRW geben. Es hat sich gezeigt, dass sich die durch das Netzwerk angeregte Kommunikation und Kooperation zwischen den beteiligten Kultureinrichtungen auch außerhalb der konkreten Netzwerkarbeit fortsetzt und auf andere Projekte ausstrahlt. Die Arbeit des Museumsnetzwerks Niederrhein kann langfristig dazu führen, dass Netzwerkarbeit in Zukunft nicht mehr den Sonder-, sondern den Normalfall darstellen wird.

Das kulturgeschichtliche Museumsnetzwerk versteht sich als institutionelles Rückgrat der "kulturellen Biografie Niederrhein".