Rheinisches Schützenmuseum Neuss
22.10.2015 – 21.02.2016

Bürger-Schützen-Bruderschaften

Die Ketten der Schützenkönige sind häufig mit religiösen Motiven geschmückt. / (c) Schützenmuseum Neuss

Die Kirche und die Schützen

2015 feiert Neuss ein beeindruckendes Jubiläum: 600 Jahre Schützengeschichte! Am 1. November 1415 schlossen sich einige Männer in der Stadt zu einer Bruderschaft zusammen. Aber wer die Urkunde liest, die diese Gründung dokumentiert, wundert sich: Von Schützenfest oder Schießwettbewerben ist dort zunächst nicht die Rede. Das Schriftstück beginnt mit den Worten „Im Namen Gottes!“ und auch im Folgenden geht es vor allem um Gottesdienste und Gebete.

Ähnliche Beobachtungen lassen sich auch in anderen Städten machen. Seit dem 15. Jahrhundert entstanden überall im Rheinland Schützengemeinschaften. Einige davon sind aus städtischen Wehrordnungen heraus entstanden, andere führen sich auf Gebetsbruderschaften zurück oder stellen Vereinigungen besonderer Berufsgruppen dar. Egal aus welchen Impulsen heraus sich die Gruppe zusammenfand, immer gab es jedoch eine sehr enge Anbindung an die Kirche.

Die Schützen erlegten den Mitgliedern der Gemeinschaft eine Vielzahl von religiösen Pflichten auf. Dazu gehörten der regelmäßige Besuch der Messe oder die Teilnahme an Prozessionen. Deutliches Zeichen für die religiöse Bindung der Schützen sind die Heiligen, unter deren Schutz sie ihre Bruderschaften stellten. Nach der Reformation verlagerte sich die Anbindung der Bruderschaften auf die Seite der katholischen Kirche. In reformierten Regionen finden sich bis heute deutlich weniger Schützengemeinschaften. Anfang des 19. Jahrhunderts bildete sich dann ein weiterer Traditionszweig des Schützenwesens heraus: Vor allem im städtischen Umfeld gründeten sich Bürgerschützenvereine, die sich ihrer Satzung nach als überkonfessionell verstanden und keine direkt Anbindung an die katholische Kirche mehr hatten.

Beide Traditionslinien, die der Bruderschaften und die der Bürgerschützenvereine, lassen sich bis heute weiterverfolgen. In der Ausstellung soll unter anderem danach gefragt werden, welche Bedeutung die Religion für die Schützen hatte und heute noch hat, welche Konflikte sich aus der Anbindung der Schützen an die katholische Kirche vor dem Hintergrund einer sich verändernden Lebenswelt ergeben können und wie sich die Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften in das Konzept einer christlichen Bruderschaft integrieren lassen.

Eröffnung: 22.Oktober, 19 Uhr

Rheinisches Schützenmuseum Neuss

Oberstraße 58-60
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Deutschland

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