Städtisches Kramer-Museum / im Kulturforum Franziskanerkloster
26.04.2015 – 07.02.2016

Das Haar der Maria

Das Kempener Gnadenbild wurde früher mit dieser goldenen Kette geschmückt. / (c) Städtisches Kramer-Museum

Ausgangspunkt der Ausstellung ist Kempen im Jahr 1473: Den 4200 Einwohnern geht es gut. Eine stattliche Burg, Wälle und Wassergräben geben Schutz vor den Nachbarn Geldern, Kleve, Jülich und Moers. Es existiert eine Schule; dank des Marktrechts floriert die Wirtschaft. Die Bürger sind stolz auf ihre große romanisch-gotische Pfarrkirche St. Mariä Geburt. Dort wird eine Holzskulptur der sitzenden Gottesmutter mit Jesuskind als Gnadenbild verehrt.

Im Jahr 1473 wird das Ansehen des Gnadenbilds noch gesteigert: Die Pfarre erhält vom Abt des Klosters Werden ein Marienhaar aus dessen Reliquienschatz. Mit der dazugehörigen Echtheitsurkunde und neuen Ablassbriefen zieht Kempen in den folgenden Jahren immer mehr Wallfahrer von nah und fern an. Und diese bringen der Stadt Geld und Ansehen.

Die glückliche Zeit wird durch die Wirren der Reformation jäh beendet. Der Kölner Erzbischof und Kurfürst Hermann von Wied ist zunächst ein Gegner der lutherischen Reform, wendet sich dann jedoch dem evangelischen Lager zu. Es kommt zu Unruhen, die 1543 mit einem regelrechten Bildersturm ihren Höhepunkt erreichen. Beinahe wäre das von den Pilgern so verehrte Gnadenbild der Maria den Flammen zum Opfer gefallen. Zwei Jahre später setzt von Wied den katholischen Pfarrer ab und den bedeutenden evangelischen Theologen und Prediger Albert Hardenberg als Pastor in Kempen ein.

Die Lage ist angespannt, die Bevölkerung orientierungslos. In den 1580er Jahren setzen zudem der Truchsessische Krieg mit Plünderungen und Gemetzel und die übel wütende Pest der Bevölkerung hart zu. Vom einstigen blühenden Wallfahrtsort ist mit gerade mal 2500 Einwohnern nicht mehr viel übrig geblieben.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts übernehmen die Katholiken wieder die Führung. Zur Stabilisierung des katholischen Lebens sorgen sie für die Ansiedlung eines Franziskanerklosters. Zu diesem Zeitpunkt ist Kempen längst kein Wallfahrtsort mehr. Die Kunstwerke und Archivalien als Zeugen des einstigen Pilgerortes aber sind geblieben – allen voran die wertvolle Marienkette, die zu besonderen Anlässen das Gnadenbild schmückte und auch in der Ausstellung zu sehen sein wird.

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