TextilMuseum DIE SCHEUNE - Spinnen/Weben + Kunst - Sammlung Tillmann
30.04.2017 – 30.07.2017

Leinen - vom Niederrhein über Haarlem in die weite Welt

©Textilmuseum DIE SCHEUNE

Jedes Mädchen und jede Hausfrau hatte früher einen Schatz in ihrer Truhe oder ihrem Schrank: Wäschestücke und Stoffbahnen aus Leinen. Doch Leinen war nicht gleich Leinen. Die Stoffe sollten möglichst fein und möglichst weiß sein. Aber dieses besondere Weiß, das so begehrt war, konnte man zwischen 1500 und 1750 nur in der niederländischen Stadt Haarlem erzeugen.

Nur dort kannten die Handwerker die dafür notwendigen Geheimzutaten und Dosierungen, um den Stoff auf den großen Bleichwiesen vor der Stadt strahlend weiß werden zu lassen. Also brachten Händler das ungebleichte Leinen von überall her, auch vom Niederrhein, nach Haarlem. Und wenn das graue Tuch in reinweißen Stoff verwandelt worden war, wurde es von dort in alle Welt verkauft. So gelangte am Niederrhein gewebtes Leinen bis in die indischen Kolonien.

Die reisenden Händler zogen mit ihren unterschiedlichen Leinenqualitäten zu Fuß oder mit dem Pferdefuhrwerk über die damaligen Heerstraßen, Heerwege und Königsstraßen aus dem Rheinland nach Haarlem. Sie besaßen sogar eine eigene Händlersprache, die sie untereinander nutzten, um ihre Geschäfte ungestört abwickeln zu können. Doch sie waren nicht nur mit Leinenstoffen beladen, sondern hatten auf dem Rückweg auch viele andere Waren dabei, die sie unterwegs „verhökerten“. Die Menschen in den Dörfern warteten oft schon auf diese Händler, denn sie brachten nicht nur Stoffe und Bänder, sondern auch spannende Neuigkeiten und Nachrichten aus aller Welt mit.

Die Ausstellung nimmt die heute wenig bekannte Periode des Leinenhandels vom 16. bis zum 18. Jahrhundert in den Blick und fragt vor allem nach der Rolle der Händler. Wie funktionierte der Handel? Welche Waren brachten sie auf ihrem Rückweg mit? Delfter Keramik? Gewürze? Tee? Medizin? Wie lange waren sie unterwegs, welche Gefahren lauerten auf sie? Welche Bedeutung hatten Post-Stationen und Räuberwesen? Woran orientierten sich diese Händler? Und welche Rolle spielte der Schmuggel? Die Ausstellung präsentiert Antworten auf diese Fragen, spannende Reiseberichte und zahlreiche Objekte rund um Flachsanbau und Leinenhandel.

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