Haus der Seidenkultur
18.06.2017 – 15.10.2017

Seide unterwegs

c) Haus der Seidenkultur

Wer heute ein Wirtschaftsunternehmen führt, muss sich auskennen. Er muss wissen, wo er die Rohstoffe bekommt, wo er etwas produzieren lassen kann und wer seine Produkte benötigt. Güter müssen transportiert, Abläufe geplant und Informationen weitergeleitet werden. So funktioniert der moderne Warenverkehr!

Aber letztlich arbeiteten auch die Seidenunternehmer in Krefeld vor 200 Jahren nach diesen Grundsätzen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts produzierten die Krefelder vor allem im Verlagssystem: Sie beschafften die Rohmaterialien, stellten Produktionsmittel bereit und sorgten für den Absatz der fertigen Produkte. Die einzelnen Arbeitsschritte innerhalb der textilen Verarbeitungskette wurden an verschiedenen Orten durchgeführt.

Gewebt wurde fast ausschließlich dezentral: Die Seidenfabrikanten beschäftigten Hausweber. Diese verarbeiteten die gelieferten Seidengarne auf den häuslichen Webstühlen und wurden bei Abgabe der fertigen Stoffe an den „Lieewerbaas“ (Liefermeister) entlohnt. Die Seidenwaren mussten also mehrfach von einem Produktionsort zum anderen transportiert werden. Damit waren die Krefelder Seidenunternehmer auf eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur und eine ausgefeilte Organisation angewiesen. Mitte des 19. Jahrhunderts, mit beginnender Mechanisierung, wurden die alten Firmenstrukturen aufgebrochen und inhabergeführte Seidenfabriken mit innerbetrieblicher Arbeitsteilung gegründet. Damit verkürzten sich die Produktionsabläufe deutlich.

Der Vertrieb der fertigen Waren folgte jedoch weiter den bewährten Strukturen: Schon in der Frühen Neuzeit lagen die Absatzmärkte der produzierten Seidenwaren in Europa, im Orient und in Amerika. Gehandelt wurde zum einen auf den Messen in Frankfurt am Main. Zum anderen hatte sich bereits Ende des 18. Jahrhunderts ein Vertriebssystem über Handelsvertreter entwickelt.

Die Ausstellung widmet sich der historischen Entwicklung des Warenverkehrs in der niederrheinischen Seidenindustrie. Ausgehend von der Rohware bis zum fertigen Produkt werden einzelne Wege der Seide in Verarbeitung und Handel nachgezeichnet. Der Standort des Museums, die historische Paramentenweberei Hubert Gotzes mit dem authentischen Websaal, bildet den idealen Rahmen für den Rückblick in die Geschichte des Seidenhandels.

Haus der Seidenkultur

Luisenstraße 15
47799 Krefeld

+49(0)2151 9345355
info@seidenkultur.de

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