Steintor, Heimatverein Goch e.V.
12.06.2013 – 31.12.2013 nur sonntags

700 Jahre Braukunst in Goch

Auf Ansichtskarten warb die Stadt Goch für ihr Bier. / © Stadtarchiv Goch

Mit zahlreihen Objekten, Fotos, Werbetafeln und Dokumenten, darunter auch Raritäten, wie eine 700 Jahre alte Pergamenturkunde bezüglich des Grutprivilegs und die wohl vollständigste Bierflaschensammlung Gocher Brauereien, vermittelt die Ausstellungen einen historischen Überblick über Braustätten und Braugilden in Goch und Umgebung.Das Brauen wird mit zu den ältesten Gewerben in der Stadt gezählt.

In Goch setzt erst im 13. Jahrhundert, kurz nach der Stadtgründung, die Überlieferung von Bierbrauern, die das Gewerbe hauptamtlich betrieben, ein. 1290 ist der erste Bierbrauer (Petrus dictus Grüter = Peter genannt Brauer) Gochs überliefert.

In dieser Zeit besaß das Kloster Graefenthal die Mühlen in Goch und Weeze und damit auch das Braurecht, verpachtete aber die Mühlenrechte später an Goch. Das Weißbier, das im Kloster Graefenthal und in Goch mit Niersflusswasser obergärig gebraut wurde, genoss einen sehr guten Ruf und solle das Beste im Klever und Gelderner Land gewesen sein. Ab 1450 ist eine Bierbrauergilde nachgewiesen, die regelmäßig Geld bezahlte, damit das Flusswasser gereinigt wird.Erst mit der Entwicklung verschiedener Kühlverfahren wurde in Goch Pils gebraut.

Um 1900 gab es noch vier Brauerein, 1931 schloss die letzte. Der Erste Weltkrieg hat dem Braugewerbe in Goch hart zugesetzt, weil eben die Kundschaft, die jungen Männer ausblieben. In den nachfolgen Jahren konnten sich die Brauer der Stadt nicht mehr gegen die wachsende Konkurrenz der großen Unternehmen behaupten. Aber die ehemaligen Braustätten gibt es noch heute, das Poffi-Haus oder auch das Haus der „Otten'schen Brauerei zu den fünf Ringen. Auch skurrile und unglaubliche Geschichten wird der Besucher gewahr. So die öffentliche Bekanntmachung von einschlägigen und häufig schlagkräftigen „Trunkenbolden“ oder auch die von Heinrich Heine 1805 überlieferte phantastische Geschichte der Gocher Biervermehrung:

»Jene Frau (eine Zauberin) nannte man die Meisterin oder auch die Göchin, weil sie aus Goch gebürtig war, wo auch ihr verstorbener Gatte, der das verrufene Gewerbe eines Scharfrichters getrieben, sein Domizil gehabt (…) Ihre besten Kunden waren Bierwirte, denen sie Totenfinger verkaufte,die sie noch aus der Hinterlassenschaft ihres Mannes zu besitzen vorgab. Das sind die Finger eines gehenkten Diebes, und sie dienen dazu, das Bier im Fasse wohlschmeckend zu machen und zu vermehren. Wenn man nämlich die Finger eines Gehenkten, zumal eines unschuldig Gehenkten, ins Fass hinab hängen lässt, so wird das Bier dadurch nicht bloß wohlschmeckender, sondern man kann aus besagtem Fass doppelt, ja vierfach soviel zapfen wie aus einem gewöhnlichen Fasse gleicher Größe.“

Steintor, Heimatverein Goch e.V.

Steinstraße
47574 Goch

hans-joachim.koepp@goch.de

Öffnungszeiten:
jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr

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