Preußen Museum NRW
16.06.2013 – 31.08.2013 außer montags, dienstags

Mit Bier gegen die Branntweinpest

Reservistenkrug / © Preußen Museum

Bis in das 18. Jahrhundert hinein gehörte der Bierkonsum zu den alltäglichen Gewohnheiten. Erst dann wurde etwa die bis dahin übliche Biersuppe mit eingebrocktem Brot zum Frühstück zuerst innerhalb der wohlhabenden Kreise und später in allen Schichten durch den Kaffee und das Butterbrot abgelöst. Der Konsum von Alkohol im Alltag, bei Festen und auch während der Arbeit blieb jedoch zunächst weiterhin gesellschaftlich akzeptiert. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung Anfang des 19. Jahrhunderts ist dann ein starker Anstieg beim Konsum härterer Getränke zu verzeichnen: Zunehmend wird nicht mehr Bier, sondern Schnaps getrunken.

Die Einführung der Kartoffel war in Preußen durch König Friedrich II. in der Mitte des 18. Jahrhunderts als Maßnahme zur Verbesserung der Volksernährung gefördert worden. Der flächendeckende Anbau der Knolle hatte jedoch nicht nur segensreiche Züge, sondern auch ungewollte Nebenwirkungen. Denn die brandenburgischen Gutsherren konnten nun die sandigen Böden der Mark zum Kartoffelanbau nutzen und gleichzeitig auf ihren Höfen das Erzeugnis weiterverarbeiten und zu Schnaps brennen. Mit dem rasanten Anstieg des Schnapsverbrauchs war ein entsprechender Rückgang des Bierkonsums im 19. Jahrhundert einhergegangen. In Preußen wurden im Durchschnitt im Jahre 1830 nur noch 30 Liter getrunken. Südlich des Mains sahen die Statistiken traditionell etwas anders aus, ansonsten aber verzeichnete der Bierkonsum in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts einen historischen Tiefstand.

Je komplizierter im Verlauf der Industrialisierung aber die Maschinen am Arbeitsplatz wurden, desto gefährlicher war ein angetrunkener Mitarbeiter für das Unternehmen. Die Anforderungen der Arbeitswelt erforderten zunehmend eine präzise und zuverlässige Tätigkeit, so dass der Genuss von Alkohol während der Arbeit nicht nur geächtet, sondern sogar unter Strafe gestellt wurde. Eine ebenso wirkungsvolle Maßnahme bei der Bekämpfung der Trinkgewohnheiten stellte die Branntweinsteuerreform des Jahres 1887 dar.

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